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BESSY • The ideal microscope for space and time

Klangkunst für BESSY-VSR

authored a year ago:

Mit Klangkünstler Sharma unterwegs durch BESSY II, TEIL 3

Eine Reportage: Gerriet Sharma zeichnet Töne im Elektronenspeicherring BESSY II auf und wir dürfen ihm dabei über die Schulter schauen. Zum Nachlesen: Teil 1 und Teil 2

Szenenwechsel: Es ist kurz vor 13 Uhr. Der Klangkünstler Gerriet Sharma sitzt mit Paul Goslawski und Godehard Wüstefeld im Kontrollraum der Metrology Light Source, dem kleinen Schwester-Speicherring der Physikal-Technischen Bundesanstalt, der von den BESSY-Kollegen mit betrieben wird. Der Raum ist klein, die Technik noch frei zugänglich, einige Monitore leuchten: Auf ihnen lassen sich die aktuellen Strahleigenschaften beobachten.

GerrietPC

Warum ist dieser Ort ausgerechnet für ein Akustikprojekt interessant? Es gibt einen einfachen Grund: Vor Jahren hat Godehard Wüstefeld hier ein kleines Funkradio installiert, um die Qualität des Elektronenstrahls nicht nur am Monitor, sondern auch akustisch zu überwachen. Wir haben uns hier versammelt, weil gleich die Injektion frischer Elektronen in den MLS-Speicherring folgt. Wir blicken auf die Monitore. Der Lautsprecher ist aufgedreht.

Dann geht es los: Der Strahl wird kurz vor der Injektion wegen der fehlenden Anregung instabil. Es knistert laut wie beim Zünden von Feuerwerksfontänen. Jetzt erfolgt die Injektion: Sie hört sich an wie ein rhythmisches Klopfen; einige Sekunden lang, dann ist es vorbei. Beeindruckend: Strahldiagnostik mit einem simplen Rundfunkempfänger. Godehard Wüstefeld lobt die Methode: „Am Schreibtisch im Nebenzimmer kann man sofort hören, wenn etwas mit dem Strahl nicht stimmt und schnell nachsehen gehen.“

Wir verlassen den Kontrollraum wieder, auch das Knistern, Klopfen und Rauschen des Elektronenstrahls sind auf Sharmas Festplatte.

Bessynacht

Zum Schluss führt uns Gerriet Sharma eine Hörprobe mit dem Ikosaeder-Lautsprecher im Elektronenspeicherring vor. Die gesammelten Töne sind nichts Ungewöhnliches. Und doch hören sie sich durch den Ikosaeder-Lautsprecher ungewöhnlich räumlich an. Es ist nicht still in diesem Moment: Rechts schnurrt eine Vakuumpumpe, links setzt ein lautes Bohrgeräusch ein. Der Ikosaeder-Lautsprecher steht mittendrin und pustet uns die aufgezeichneten Töne entgegen. Ich schließe kurz die Augen: Die Klänge kommen von vorn. Oder doch eher von links, rechts oder oben? Die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmt. Und unsere Wahrnehmung von der Wirklichkeit? Die ist Interpretationssache.

Die Uraufführung von Gerrit Sharmas Werk ist im Sommer 2017 geplant.

comments
  • authored a year ago:

    Was für eine großartige Reportage, liebe Silvia! Ich bin ganz begeistert und kann die Uraufführung kaum erwarten :)