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BESSY • The ideal microscope for space and time

Klangkunst für BESSY-VSR

authored 2 years ago:

Mit Klangkünstler Sharma unterwegs durch BESSY II, TEIL 2

Eine Reportage: Gerriet Sharma zeichnet Töne im Elektronenspeicherring BESSY II auf und wir dürfen ihm dabei über die Schulter schauen. Zum Nachlesen: Teil 1

Wir stehen vor dem Eingang der Technikhalle. "Das ist der vielleicht lauteste Ort an BESSY II“, erläutert ein HZB-Kollege. „Darf ich da rein?“, fragt Sharma und ist schon verschwunden.

Es dröhnt. Sharma kniet sich auf den Boden, setzt die Kopfhörer auf und tastet mit einem empfindlichen Mikrofon die Pumpen ab. Sein Blick ist hochkonzentriert. Das laute Dröhnen schmerzt in den Ohren, der Kopf signalisiert intuitiv: bloß weg von hier. Doch Sharma harrt geduldig aus, beugt sich zu den Apparaturen und nimmt weitere Proben. Seine Stimme und Haltung signalisieren größte Ernsthaftigkeit bei allem, was er tut. Schließlich folgt er uns nach draußen und sagt im Vorbeigehen knapp: „Die Rhythmen und Überlagerungen in der Technikhalle sind extrem.“ Dann huscht er wieder weg, das Mikrofon auf eine Kryoanlage gerichtet.

mitMikro

Danach geht es zu einem Abstecher in den Speicherring. Es ist Shut-Down und Sharma darf in das Innerste des Rings blicken. Akustisch erwartet ihn hier ein Kontrastprogramm: Im Vergleich zur Technikhalle ist es faszinierend still, nur ein paar Vakuumpumpen surren schläfrig im Hintergrund. Das, worum es an diesem Ort eigentlich geht – nämlich das Fliegen der Elektronenpakete durch das Vakuum – ist unsichtbar. Und vor allem: nicht hörbar. Nicht das, was am lautesten auf sich aufmerksam macht, ist unbedingt am wichtigsten. So lautet die erste akustische Erkenntnis an diesem Ort. Sharma schaut sich sorgsam um; am Undulator U49 holt er wieder sein Stabmikro hervor. Die nächsten Töne sind im Kasten.

Warum tut der Künstler das? Gerriet K. Sharma will BESSY II verstehen, auf seine ganz eigene, nicht visuelle Art. Er zeichnet Töne aus dem Inneren auf, aus denen er allerdings kein realistisches Abbild erzeugen will. Die Töne sind nur Arbeitsmaterial für die weitere kompositorische Bearbeitung. Zusätzlich will er das Beschleunigerprojekt BESSY VSR (Aufbau eines variablen Speicherrings) in Musik übersetzen. „Aus den Zahlenwerken der Physiker wird Klang und eine neue Interpretation“, so Gerriet Sharma.

aufnahmen

Dem Künstler geht es bei seiner Arbeit stets um das Grundsätzliche. Wer hat die Deutungshoheit? Und wer kann die Welt besser beschreiben? „Wissenschaft ist eine Möglichkeit, die Welt zu verstehen. Dafür werden Maschinen wie BESSY II oder der LHC am CERN mit unglaublich viel Aufwand betrieben. Die Kunst ist der andere Weg, die Welt zu ergründen“, sagt er selbstbewusst. Beide, Wissenschaft und Kunst, wollen die Welt interpretieren. Doch tatsächlich sind die Disziplinen oft strikt getrennt. Mit dem Klangprojekt an BESSY II will Sharma zeigen: Diese Trennung lässt sich überwinden.

Fortsetzung Teil 3: Das Knistern des Elektronenstrahls