Helmholtz Zentrum Berlin

#HZBzlog

BESSY • The ideal microscope for space and time

Klangkunst für BESSY-VSR

authored a year ago:

Hören zwei Menschen das Gleiche?

Oder wie verändert sich unsere auditive Wahrnehmung durch den allgegenwärtigen Gebrauch und Einsatz moderner Audiotechniken.

Gerriet K. Sharma ist ein Komponist und Klangkünstler, der sich intensiv mit der Wahrnehmung von Klang beschäftigt. In seiner Doktorarbeit an der Universität Graz hat er nun untersucht, wie räumliche Wahrnehmung von Klangphänomenen in Lautsprecherumgebungen funktioniert. Am 8.10.2016 hat der Klangkünstler und Komponist seine Doktorarbeit im Rahmen seines Rigorosums an der künstlerisch-Wissenschaftlichen Doktoratschule Graz verteidigt: Mit Auszeichnung. In einem Vortrag und einem künstlerisch praktischen Teil präsentierte er die Forschungsergebnisse zum Thema „Komponieren mit skulpturalen Klangphänomenen in der Computermusik“.

Sharma

„Zentral war die Frage, ob die von mir in der Laborsituation komponierten skulpturalen Raum-Klangphänomene für andere überhaupt nachvollziehbar sind.“ sagt Sharma. In seinem Forschungsprojekt „wurde unterstützend auf ingenieurswissenschaftlichem Wege versucht, künstlerisch erzeugte Raum- Klangphänomene durch Hörversuche, Messungen und virtuelle Modellierung nachzubilden und psychoakustisch zu erklären“, schreibt Sharma weiter.

Der technische Aspekt ist für den Komponisten von besonderer Bedeutung: Dies war mit ein Grund für ihn, gerade mit Ingenieuren der Kunsthochschule Graz (KUG) zusammen zu arbeiten. Sharma beschäftigt sich seit vielen Jahren mit elektroakustischen Klängen, die mit Hilfe von speziellen Lautsprechern (z.B. IEM-Ikosaederlautsprecher) erzeugt werden. Dabei ist die Gestaltung der räumlichen Wirkung des Klangs ein zentraler Aspekt seiner Arbeit. Das Forschungsprojekt wurde in den letzten sechs Jahren am Institut für elektronische Musik und Akustik (IEM) von einer Arbeitsgruppe aus vier Ingenieuren und einem Komponisten vorangetrieben. Sharma schreibt dazu: „Aufgrund der Hörversuche wissen wir jetzt erst verbindlich, dass es eine intersubjektive Wahrnehmung von räumlichen Klangobjekten in der Raumbespielung mit diesem neuen Lautsprechersystem gibt.“

Den Klang im Raum erfahrbar zu machen, als wirkliches Raum-klangliches Erlebnis, eröffnet neue Möglichkeiten für „lebendige“ Liveinszenierungen. Die mit hohem technischen Aufwand erzeugten Klangräume bieten ein vollkommen anderes Hörerlebnis als eine „normale„ Stereoanlage. Dabei kommt es dem Künstler nicht allein auf die technisch anspruchsvolle akustische Wiedergabe von Klangsequenzen an.

„Es geht um die Erfahrbarkeit von Raum als Gegenwart und dies als Gegenentwurf zur akustischen Allgegenwärtigkeit und alltäglichen Über-Verfügbarkeit von Geräusch, Klang und Musik.“ Erklärt Sharma und führt aus: „Der Wehrlosigkeit, mit der wir heute im technisch erzeugten und durchwirkten Klangraum leben müssen, muss eine Sensibilisierung für die Alternativen und ästhetischen Möglichkeiten eben genau in diesen technischen Räumen entgegengesetzt werden.“ Besonders beeindruckend an dieser Arbeit ist, dass sich ein Künstler forschend auf den Weg gemacht hat die Rezeption seiner Arbeit zu untersuchen. Er hat damit die Voraussetzung geschaffen die Wahrnehmung gezielt in sein Werk einzubeziehen.

Gerriet K. Sharma Rigorosum: „Komponieren mit skulpturalen Klangphänomenen in der Computermusik“.